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Praxisabgabe: So gehen Sie die Übergabe der Arztpraxis richtig an

Will ein Arzt seine Praxis an einen Nachfolger abgeben, gibt es im Vorfeld viel zu beachten. Wir vermitteln Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Aspekte rund um die erfolgreiche Praxisabgabe. Lesen Sie, wie Sie einen Nachfolger finden und wie Sie die Praxisübergabe für alle Beteiligten gut gestalten.

Von der Planung der Praxisabgabe bis zur Übergabe an den Nachfolger – wir haben für Sie nachfolgend die wichtigsten Informationen zu allen relevanten Aspekten zusammengestellt:

Schritt für Schritt zur Praxisübergabe

Hartmut hat einen Entschluss getroffen: In spätestens drei Jahren möchte er seine Hausarztpraxis an einen Nachfolger übergeben und in den Ruhestand gehen. Nun steht er vor der schwierigen Aufgabe, einen würdigen Nachfolger zu finden, dem er seine Praxis und seine Patienten mit gutem Gefühl übergeben kann.
Aus Gesprächen mit Kollegen weiß Hartmut: Als Praxisinhaber müssen sich Ärzte, Zahnärzte oder Psychotherapeuten frühzeitig mit dem Thema Praxisabgabe auseinandersetzen. Lesen Sie hier, welche Schritte Sie beachten müssen, damit Sie Ihre Arztpraxis erfolgreich abgeben können.

Praxisübergabe in offenen und gesperrten Planungsbereichen

Zunächst müssen Sie klären, ob Ihre Praxis in einem offenen oder gesperrten Planungsbereich liegt. Die Auskunft darüber erhalten Sie bei Ihrer KV.

Offener Planungsbereich

Im offenen Planungsbereich ist keine Ausschreibung der Praxis erforderlich. Ihr Nachfolger kann seine kassenärztliche Zulassung beim Zulassungsausschuss beantragen.

Gesperrter Planungbereich

Bei Praxen in gesperrten Gebieten gestaltet sich die Abgabe um einiges bürokratischer. Folgende Schritte müssen Sie beachten:

  • Stellen Sie beim Zulassungsausschuss einen Antrag auf Nachbesetzung
  • Warten Sie anschließend auf die Ausschreibungsentscheidung und die Ausschreibung Ihrer Praxis auf der Webseite der KV
  • Nun können sich Interessenten um den ausgeschriebenen Praxissitz innerhalb der Ausschreibungsfrist bei der KV bewerben und die Übernahmeverhandlungen können beginnen
  • Haben Sie Ihren Nachfolger gefunden, muss dieser seinen Zulassungsantrag an den Zulassungsausschuss stellen
  • Sie beantragen Ihren Zulassungsverzicht beim Zulassungsausschuss
Wichtig
Damit die Praxisübergabe reibungslos verläuft, müssen Praxisabgeber und -übernehmer ihre Erwartungen rechtzeitig definieren. Nur, wenn sich beide Seiten darüber verständigt haben, ist ein Ausschreibungsverfahren sinnvoll und erfolgversprechend.
Machen Sie sich daher als abgebender Arzt umfassend Gedanken zu allen Belangen der Praxisübergabe: von steuerlichen Vorgaben, Praxisversicherungen und Mietsvertragsgestaltung über die Attraktivität Ihrer Praxis für Käufer (Standort, Wettbewerbssituation, Strukturwandel u.v.m.) bis hin zu Personalfragen.
Nur wenn Sie an die Abgabe gezielt und strukturiert herangehen, können Sie sicher sein, dass der Prozess reibungslos und letztlich für alle Beteiligten zufriedenstellend verläuft.

Praxiswertermittlung

Idealerweise klären Sie schon einige Jahre vor der Praxisabgabe, wie Ihre Praxis aus betriebswirtschaftlicher Sicht dasteht. Der Umsatz, der Anteil an Privatpatienten, die Region und die Ausstattung bestimmen, wie viel Ihre Praxis wert ist.

Praxisausstattung einer Zahnarztpraxis

Hat Ihre Praxis eine modern Ausstattung, steigt auch ihr Verkaufswert.

Bei der Ermittlung des Praxiswerts unterstützen Sie beispielsweise Experten einer Steuerberater- oder Rechtsanwaltskanzlei, die auf das Gesundheitswesen spezialisiert ist. Diese ermitteln den Angebotspreis für Ihre Praxis.

Nachfolgersuche

Die Suche nach einem Nachfolger für die eigene Praxis gestaltet sich nicht immer einfach. Beginnen Sie daher frühzeitig damit, sich nach einem potentiellen Nachfolger umzusehen. Praktizieren Sie im ländlichen Raum, sollten Sie die Suche am besten rund fünf Jahre vor der geplanten Abgabe Ihrer Praxis beginnen.

Praxisausschreibung

Grundsätzlich wird eine freiwerdende Praxis, die in einem überversorgten Gebiet liegt, bei der jeweiligen Landes-KV offiziell ausgeschrieben. Es kann sich aber für Sie durchaus lohnen, auf mehr als ein Pferd zu setzen und selbst die Initiative zu ergreifen.
Bei der Nachfolgersuche stehen Ihnen vielfältige Wege offen:

  • Hören Sie sich bei Ihren Kollegen und Kliniken um, die möglicherweise einen potentiellen Praxiserwerber kennen.
  • Schreiben Sie Ihre Praxis bei einer Praxisbörse oder in Fachzeitschriften aus, um möglichst viele Interessenten zu erreichen.
  • Haben Sie ein Auge auf Praxisgesuche in Praxisbörsen und Fachzeitschriften.
  • Holen Sie sich Unterstützung von einem Berater (zum Beispiel spezialisierte Kanzleien, Landes-KV).
Wichtig
In einem zulassungsgesperrten Planungsbereich müssen Sie Ihre Praxis auch dann bei der KV ausschreiben lassen, wenn Sie bereits einen Wunschnachfolger oder eine Wunschnachfolgerin im Auge haben. Dies gilt auch, wenn es sich dabei um Ihren Ehe- oder Lebenspartner beziehungsweise Ihr Kind handelt.

Kurzexposé erstellen

Für den Erfolg Ihrer Nachfolgersuche ist es wichtig, dass sich übernahmewillige Ärzte ein möglichst genaues Bild von Ihrer Praxis machen können. Verfassen Sie daher ein Kurzexposé, in dem Sie die Praxis vorstellen.
Eine aussagekräftige Beschreibung wird bei Praxiserwerbern mehr Interesse erwecken, als ein anonymisiertes Angebot. Hartmut stellt daher seine Praxis auf einem etwa zweiseitigen Kurzexposé vor, das er mit Bildern der Praxisräume und seinem eigenen Foto illustriert sowie von seiner Tochter ansprechend gestalten lässt. Einige Ausfertigungen dieses Exposés gibt er auch seinem Berater an die Hand, der ihn in Fragen der Praxisabgabe und Wertermittlung betreut.

Übergabe an den Käufer

Haben Sie einen Käufer für Ihre Praxis gefunden, gilt es, mit ihm weitere relevante Fragen zu klären.

Welche Folge hat die Praxisübernahme für Ihr Personal?

Möglicherweise sorgen Sie sich um die Zukunft Ihres Personals, nachdem Sie Ihre Praxis abgegeben haben. Die Gesetzeslage sieht vor, dass Mitarbeiter nicht wegen eines Betriebsübergangs – wie der großenteils unveränderten Fortführung der Praxis – gekündigt werden dürfen. Der Erwerber Ihrer Praxis tritt bei der Übergabe in alle Rechte und Pflichten der bestehenden Arbeitsverhältnisse ein.

2 Arzthelferinnen

Ihr Nachfolger darf Ihrem Personal nicht aus Gründen der Praxisübernahme kündigen.

Sie sollten Ihre Mitarbeiter natürlich rechtzeitig vor der Praxisübernahme informieren. Diese Information muss laut BGB in Textform erfolgen und folgende Inhalte aufweisen:

  • Geplanter Zeitpunkt der Praxisübergabe (Betriebsübergang)
  • Grund des Übergangs der Arbeitsverhältnisse
  • Rechtliche, wirtschaftliche und soziale Folgen für die Arbeitnehmer
  • Für die Mitarbeiter in Aussicht genommene Maßnahmen

Möchte oder kann Ihr Nachfolger nicht alle Ihre Mitarbeiter weiterbeschäftigen, dann müssen Sie als Praxisabgeber diesen rechtzeitig vor der Übergabe kündigen. Falls Sie ein bis zwei Jahre vor der geplanten Praxisabgabe neue Mitarbeiter einstellen, sollten Sie nur noch befristete Arbeitsverträge abschließen.

Tipp
Um Verunsicherung Ihrer Mitarbeiter entgegenzutreten, sollten Sie sie frühzeitig zur Praxisübergabe informieren – am besten bereits gemeinsam mit Ihrem Nachfolger.

Was passiert mit den Patientenakten?

Generell gilt: Nach Paragraf 10 der Berufsordnung für Ärzte müssen Patientenakten zehn Jahre lang aufbewahrt werden. Die Fristen können aber länger oder kürzer ausfallen, je nach Art der Unterlagen, der Krankheit und der Therapie.
Auch wenn Sie einen Nachfolger gefunden haben, gilt für Sie weiterhin die ärztliche Schweigepflicht. Erst, wenn der Patient eingewilligt hat, darf Ihr Praxisnachfolger auf die Patientenakten zugreifen. Daher sollten Sie idealerweise rechtzeitig eine schriftliche Einverständniserklärung Ihrer Patienten einholen.

Die Patientenakten dürfen nicht ohne weiteres an Ihren Nachfolger übergehen.

Da dies mit sehr hohem Zeit- und Organisationsaufwand verbunden wäre, hat sich das sogenannte Zwei-Schrank-Modell etabliert: Danach können Sie nach und nach das Einverständnis Ihrer laufenden Patienten einholen und deren Unterlagen an den Praxiserwerber beim Verkauf übertragen. Alle weiteren Patientenakten verbleiben in einem geschlossenen Schrank und werden Ihrem Nachfolger erst dann zugänglich, wenn die betreffenden Patienten die Praxis aufsuchen und ihm ihr Einverständnis geben.

Klärung weiterer relevanter Fragen

Auch weitere wichtige Fragen müssen Sie klären, bevor die Praxisabgabe erfolgen kann:

  • Ist die Übernahme des Praxismietvertrags gewährleistet? Sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Vermieter.
  • Bestehen Leasingverträge für medizinische Geräte, die der Nachfolger übernimmt?
  • Wird der Telefonanschluss inklusive bisheriger Telefonnummer und Internet übernommen?
  • Bestehen weitere Verträge, die übernommen oder gekündigt werden sollen?
  • Welche Versicherungen für die Praxis müssen gekündigt, angepasst oder erneuert werden?
  • Wie und wann informieren Sie die Patienten?
  • In welchem Übergangszeitraum stehen Sie Ihrem Nachfolger als Berater oder Vertreter zur Verfügung?

So führen Sie Ihren Nachfolger ein

Hartmut hat nun alle wichtigen Informationen rund um die Praxisabgabe gesammelt und bereits einen geeigneten Bewerber in Aussicht. Ein wenig Bauchschmerzen bereitet ihm aber die Tatsache, dass er seine Praxis, sein Lebenswerk, und mit ihr seine langjährigen Patienten aufgeben muss.

Die Patienten über Praxisabgabe informieren

Hartmut möchte auf jedem Fall verhindern, dass seine Patienten über Gerüchte von der Praxisabgabe erfahren. Schließlich ist ihm ein offenes und vertrauensvolles Verhältnis wichtig.
Er beschließt, zu gegebener Zeit proaktiv zu handeln. Rund 3 Monate vor der Praxisübergabe will er seine Patienten darüber in Kenntnis zu setzen, dass bald ein junger Kollege seine Praxis übernehmen wird und er sich freut, ihn schon bald vorstellen zu dürfen.
Gerade Patienten, die die Praxis in den letzten Jahren regelmäßig aufgesucht haben, können in einem Brief über die Übergabe informiert werden. Stellen Sie darin Ihren Praxisnachfolger bereits kurz vor. Auch über eine Anzeige in der Lokalzeitung, Aushänge in der Praxis und im persönlichen Gespräch können Sie Ihren Patienten mitteilen, dass Sie bald in den Ruhestand gehen beziehungsweise Ihre Praxis an einen jüngeren Kollegen abgeben.

Die Übergangsphase

So sehr Hartmut sich auf seinen Ruhestand freut: er fühlt sich seinem jungen Kollegen und Nachfolger moralisch verpflichtet. Daher bietet er ihm an, die ersten Monate nach der Übergabe noch in der Praxis mitzuarbeiten. So kann er ihn den Patienten vorstellen und in seinem Patientenstamm einführen. Auf diese Weise, so hofft Hartmut, werden nach seinem Ruhestand weniger Patienten abwandern und sein Nachfolger kann ähnliche Umsätze erzielen wie er selbst.

Helfen Sie Ihrem Nachfolger, sich in den Praxisalltag und die relevanten Prozesse einzufinden

Eine Alternative wäre, dass Ihr Praxisnachfolger schon vor der Übergabe im Rahmen einer temporären Anstellung in Ihrer Praxis mitarbeitet und der Übergang somit wesentlich sanfter verläuft.
Viele junge Ärzte schätzen es, wenn sie durch ihren Vorgänger eingearbeitet werden und Sie selbst können so Ihre Tätigkeit als Arzt allmählich ausklingen lassen.

Nach der Praxisübergabe

Der Gedanke, sich endgültig in den Ruhestand zu verabschieden, gefällt nicht jedem: Sie können mit Ihrem Nachfolger auch abklären, ob Sie nach der Praxisübertragung in ein Angestelltenverhältnis wechseln und noch stundenweise beziehungsweise als Urlaubsvertretung in der Praxis mitarbeiten.

Übersicht zur Praxisübergabe

Lesen Sie hier abschließend noch einmal die wichtigsten Punkte, die Sie bei einer Praxisabgabe beachten müssen:

  • Beschäftigen Sie sich schon frühzeitig mit dem Thema und gehen Sie an die Abgabe gezielt und strukturiert heran.
  • Erkundigen Sie sich bei Ihrer KV, ob Ihre Praxis in einem offenen oder gesperrten Planungsbereich liegt, und richten Sie danach Ihre Nachfolgersuche aus.
  • Sehen Sie sich frühzeitig nach einem potentiellen Nachfolger um; bei einer Landarztpraxis rund 5 Jahre vor geplanter Abgabe.
  • Klären Sie am besten schon einige Jahre vor der Praxisabgabe, wie Ihre Praxis aus betriebswirtschaftlicher Sicht dasteht. Spätestens, wenn es an die Übergabeformalitäten geht, müssen Sie den Praxiswert ermitteln (lassen).
  • Klären Sie wichtige Fragen (Personal, Praxisausrichtung, Mietvertrag…) mit Ihrem Nachfolger.
  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter rechtzeitig vor der Praxisübernahme.
  • Informieren Sie Ihre Patienten über die Praxisübernahme.
  • Beachten Sie, dass Patientenakten nicht ohne Weiteres an Ihren Nachfolger übergehen dürfen. Holen Sie idealerweise rechtzeitig eine schriftliche Einverständniserklärung Ihrer Patienten ein.
  • Besprechen Sie mit Ihrem Nachfolger, wie die Übergangsphase gestaltet werden soll.

Einen passenden Nachfolger finden Sie über unsere Praxisbörse. Bei Fragen rund um die Praxisübergabe können Sie sich gerne an uns wenden .
Für Ihre Praxisabgabe wünschen wir Ihnen viel Erfolg und alles Gute.

Bilder: Bild 1: © iStock/ AleksandarNakic; Bild 2: © iStock / sturti; Bild 3: © iStock/ fotografixx ; Bild 4: © iStock/ wakila; Bild 5: © iStock/ sturti

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By | 2018-04-11T13:30:22+00:00 September 14th, 2017|Categories: Praxisabgabe|Kommentare deaktiviert für Praxisabgabe: So gehen Sie die Übergabe der Arztpraxis richtig an