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Praxisformen: Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft?

Sie möchten sich als Arzt niederlassen? Wenn Sie noch unschlüssig sind, ob Sie der Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft den Vorzug geben, lesen Sie weiter. Wir haben für Sie alle Besonderheiten sowie Vor- und Nachteile dieser drei Praxisformen zusammengestellt.

Definition der Praxisformen: Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis und Praxisgemeinschaft auf einen Blick

Bei der Entscheidung für eine Niederlassungsoption geht es nicht nur darum, ob Sie sich eher als Teamplayer oder Individualist sehen. Besonders mit Blick auf die Verwaltung der Praxis, die Gestaltung der Arbeitszeit sowie Finanzierungsfragen kommt eine Praxisform für Sie womöglich mehr in Frage als eine andere.

Einzelpraxis

Als Inhaber einer Einzelpraxis sind Sie Ihr eigener Chef: Die finanzielle und organisatorische Verantwortung liegt bei Ihnen, gleichzeitig haben Sie volle Flexibilität, was die Gestaltung Ihrer Arbeitszeiten betrifft. Auch die medizinische Ausrichtung Ihrer Praxis ist ganz Ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen überlassen.
Mit rund 58 Prozent ist die Einzelpraxis übrigens die am häufigsten gewählte Praxisform in Deutschland.

Grafik: Vorteile einer Einzelpraxis

Gemeinschaftspraxis bzw. Berufsausübungsgemeinschaft

In einer Gemeinschaftspraxis oder Berufsausübungsgemeinschaft (BA) arbeiten Sie mit anderen Ärzten Ihrer Fachrichtung oder sich ergänzender Fachgebiete zusammen. Während Sie eigenverantwortlich und medizinisch unabhängig arbeiten, nutzen Sie Personal, Einrichtung und Praxisräume gemeinsam mit Ihren Kollegen. Außerdem teilen Sie einen gemeinsamen Patientenstamm und erstellen auch eine gemeinsame Abrechnung.

Grafik Vorteile einer Gemeinschaftspraxis

Praxisgemeinschaft

Um Praxisräume, Geräte und Personal gemeinsam zu nutzen, können Sie sich mit anderen Vertragsärzten gleicher oder unterschiedlicher Fachrichtungen zu einer Praxisgemeinschaft zusammenschließen. Der Unterschied zur Gemeinschaftspraxis: Jeder von Ihnen betreut einen eigenen Patientenstamm und Sie arbeiten getrennt voneinander. Das heißt, auch die Abrechnung erstellt jedes Mitglied der Gemeinschaft getrennt und handelt auch sonst wirtschaftlich eigenständig.

Grafik Vorteile einer Praxisgemeinschaft

Nach diesem ersten Überblick stellen wir Ihnen die Besonderheiten sowie Vor- und Nachteile dieser drei Praxisarten ausführlich vor.

Einzelpraxis: Der Arzt als selbstständiger & unabhängiger Unternehmer

Arzt im weißen Kittel mit Tablet in der Hand.

Die Einzelpraxis ist nach wie vor die meistgewählte Praxisform.

Besondere Merkmale

Eine Einzelpraxis bedeutet Eigenständigkeit in jeder Hinsicht: Die medizinische Ausrichtung der Praxis, die Auswahl des Personals, die Organisation der Arbeitszeiten und alles Weitere liegt in Händen des Praxisinhabers. Damit ist er auch allein für die Finanzen verantwortlich und trägt die Kosten für Praxisräume, Angestellte und Ausstattung.
Wenn Sie sich für eine Einzelpraxis entscheiden, heißt das aber nicht zwingend, dass Sie alles allein stemmen müssen:

  • Sie können mit anderen Ärzten kooperieren, etwa in Form einer Praxisgemeinschaft (siehe unten) oder in einem Praxisnetz.
  • Außerdem können Sie zur Verstärkung weitere Ärzte anstellen oder Weiterbildungsassistenten in Ihrer Praxis ausbilden.

Vorteile

Mit der Eigenständigkeit sind viele Vorteile verbunden:

  • Unabhängigkeit
  • kurze Entscheidungswege
  • flexible Gestaltung der Sprechstunden
  • flexible Einteilung der Arbeitszeit

Nachteile

  • alleinige Verantwortung für
    • Finanzen
    • Organisation
    • Personalfragen
    • und alle anderen Belange.
  • anfänglich fehlendes unternehmerisches und kaufmännisches Wissen
  • kein unmittelbarer Austausch mit Kollegen

Ist die Gründung bzw. Übernahme einer Einzelpraxis das richtige für mich?

Mit rund 58 Prozent ist die Einzelpraxis die am häufigsten gewählte Praxisform in Deutschland. Wenn Sie Ihr eigener Chef sein wollen, Unabhängigkeit schätzen und einen höheren Verwaltungsaufwand nicht scheuen, dann ist die Einzelpraxis für Sie sicherlich die geeignete Niederlassungsoption.
Um Kosten und organisatorischen Aufwand zu reduzieren, können Sie als Inhaber einer Einzelpraxis mit anderen Ärzten kooperieren – mehr dazu erfahren Sie unter dem Punkt Praxisgemeinschaft.

Laptop und schreibender Doktor.

Inhaber einer Einzelpraxis sind Unternehmer und arbeiten eigenverantwortlich auf ganzer Linie.

Dr. Christine Schleith im Interview: Vor- und Nachteile einer Einzelpraxis

Vor über zehn Jahren übernahm die Fachärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren Dr. Christine Schleith eine Hausarztpraxis in Landshut. „Nach vielen Jahren der Arbeit im Krankenhaus, mit Fremdbestimmung durch Oberarzt und Chefarzt, vielen Nachtdiensten und ohne weitere berufliche Entwicklungschance“ hatte sie den Entschluss gefällt, „eigenverantwortlich in einer Einzelpraxis zu arbeiten“. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen befragt.

Das Für und Wider der Selbstständigkeit

Die Vorteile einer Einzelpraxis sind für Dr. Schleith eindeutig „die Flexibilität und freie individuelle Entscheidung über Sprechzeiten, Urlaub, Arbeitsabläufe, medizinische Ausrichtung bis hin zur Raumgestaltung“. Auch „Diskussionen etwa über Verteilungsschlüssel entfallen, da das Einkommen nicht zwischen Kollegen aufgeteilt wird“.
Doch Dr. Schleith kennt auch die Schwierigkeiten, mit denen Inhaber einer Einzelpraxis zu kämpfen haben: „Da alle Kosten allein getragen werden, ist die rationelle Auslastung von Räumen, Geräten und Personal in einer Einzelpraxis schwierig.“ Außerdem „sind der ärztliche Austausch und eine Zweitmeinung nicht gleich verfügbar und als Inhaberin einer Einzelpraxis habe ich keine ‚automatische‘ Vertretung bei Urlaub, Krankheit oder Fortbildung“, erklärt Dr. Schleith.

Besondere Rolle: Der Arzt als Unternehmer

Dazu kommt, dass Ärzte im Studium und in ihren ersten Berufsjahren nicht auf die Rolle des Unternehmers vorbereitet werden, die sie als Praxisinhaber plötzlich übernehmen: Nun liegen kaufmännische Entscheidungen und unternehmerisches Risiko allein in ihrer Hand. „Angesichts zunehmender Reglementierung im Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind bei einem Neustart in einer Einzelpraxis heute auch intelligente medizinische Unternehmenskonzepte von Bedeutung. Beispielsweise interessante Zusatzbezeichnungen, um eventuell auch Individuelle Gesundheitsleistungen (kurz: IGeL) abrechnen zu können.“

Praxis und Familie

Was das Thema Work-Life-Balance angeht, müssten speziell Ärztinnen genau abwägen, wie sie ihre Praxis und das Familienleben in Einklang bringen: „Die Tätigkeit in Teilzeit ist nur bedingt möglich“, so Dr. Schleith. Zudem bestehe durch die Doppelbelastung die Gefahr eines Burn-out.

Tipps für niederlassungswillige Ärzte

Niederlassungswillige Ärzte, die eine Einzelpraxis übernehmen möchten, profitieren besonders vom Austausch mit erfahrenen Kollegen. Dr. Schleith empfiehlt daher, dass „für gewisse Zeit eine Kooperation zwischen Praxisübernehmer und Praxisabgeber erfolgen sollte. Der Praxisübernehmer kann so die Patienten und Arbeitsabläufe kennenlernen und sich noch vieles bei dem erfahrenen Kollegen abschauen und von seinen Erfahrungen lernen“.

Gemeinschaftspraxis bzw. Berufsausübungsgemeinschaft: Gemeinsam wirtschaften, eigenverantwortlich arbeiten

Zwei Ärzte in Besprechung.

Für Teamworker: Partner einer Gemeinschaftspraxis teilen sich die Verantwortung.

Besondere Merkmale

Der etwas sperrige Begriff Berufsausübungsgemeinschaft (kurz: BAG) wird synonym zu „Gemeinschaftspraxis“ verwendet und beschreibt deren Kern sehr treffend: In einer Gemeinschaftspraxis üben Sie Ihren ärztlichen Beruf gemeinsam mit anderen Vertragsärzten und/ oder Psychotherapeuten aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie alle dieselbe Fachrichtung haben, also beispielsweise Hausärzte sind. Auch ein Hausarzt und ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt könnten sich zu einer Gemeinschaftspraxis zusammenschließen, da sich ihre Fachgebiete sinnvoll ergänzen.

Organisatorische & wirtschaftliche Einheit

In den rund 20.000 Gemeinschaftspraxen in Deutschland behandeln die Partner einen gemeinsamen Patientenstamm und rechnen über eine gemeinsame Abrechnungsnummer ab. Sie bilden eine wirtschaftliche und organisatorische Einheit, arbeiten aber eigenverantwortlich und medizinisch unabhängig.
Um eine Gemeinschaftspraxis zu gründen, benötigen Sie eine Genehmigung durch den Zulassungsausschuss.

Vorteile

Alle für einen, einer für alle: Das könnte auch das Motto der Gemeinschaftspraxen sein. Die Vorteile der gemeinsamen Berufsausübung und Nutzung gemeinsamer Ressourcen sind:

  • Kostenersparnis
  • geringerer Organisations- und Verwaltungsaufwand
  • Individuellere Arbeitseinteilung
  • Erhöhung der Fachkompetenz
  • Möglichkeit des fachlichen Austauschs und der Einholung einer Zweitmeinung
  • Erweiterung des Leistungsangebots

Nachteile

So viele Vorteile die Gemeinschaftspraxis auch hat, können dennoch Probleme auftreten. Diese sind häufig zwischenmenschlicher Natur, etwa, wenn zwischen den Partnern Konflikte in Bezug auf die Honorarverteilung, Zielsetzungen oder Mitarbeiterführung auftreten.
Wie es gelingt, solche Konflikte innerhalb der Gemeinschaftspraxis zu vermeiden, beschreibt dieser Artikel im Ärzteblatt.

Ist eine Gemeinschaftspraxis die passende Praxisform für mich?

Wenn Sie gerne im Team arbeiten, die Kosten für Ihre Praxis nicht allein tragen möchten und Ihre Arbeitszeit gerne freier einteilen möchten, dann kann eine Gemeinschaftspraxis der richtige Weg für Sie sein. Besonders für Ärzte, die Familie und Beruf gut unter einen Hut bringen möchten oder eine ausgeglichene Work-Life-Balance anstreben, ist das Arbeiten in einer Berufsausübungsgemeinschaft sinnvoll.
Treffen Sie jedoch keine vorschnellen Entscheidungen, etwa, wenn Ihnen eine Partnerschaft in einer Gemeinschaftspraxis angeboten wird. Prüfen Sie sich, aber auch die anderen Praxispartner genau: Kommen Sie nicht nur auf fachlicher, sondern vor allem auch auf persönlicher Ebene gut miteinander aus? Sind Sie sich in wichtigen Fragen einig, etwa bei der Formulierung einer gemeinsamen Praxisphilosophie oder den Zielen Ihrer gemeinsamen Praxis? Kritische Fragen sollten Sie frühzeitig klären und klare Regeln für Konfliktfälle aufstellen.

Praxisgemeinschaft: Gemeinsam Ressourcen nutzen

Ein Arzt im Vordergrund, Gruppe von Ärzten im Hintergrund.

Eigenverantwortlich und doch nicht allein: Ärzte in einer Praxisgemeinschaft teilen Ressourcen.

Besondere Merkmale

Die Praxisgemeinschaft lässt sich als ein Mittelding zwischen Einzel- und Gemeinschaftspraxis beschreiben: Als Mitglied einer Praxisgemeinschaft arbeiten Sie selbstständig, mit eigener Patientenkartei und separater Abrechnung. Zugleich nutzen Sie Praxisräume, Personal und Geräte gemeinsam mit anderen Vertragsärzten gleicher oder verschiedener Fachgebiete. Das Ziel dieser Kooperationsform ist es, durch gemeinsame Ressourcennutzung Kosten zu sparen, die der Inhaber einer Einzelpraxis sonst allein zu tragen hätte.
Eine Genehmigung durch den Zulassungsausschuss ist für eine Praxisgemeinschaft nicht notwendig.

Vorteile

Die Vorteile einer solchen ärztlichen Kooperation sind:

  • Eigenständigkeit bei gemeinsamer Ressourcennutzung (Personal, medizinische Geräte…)
  • Kostenreduzierung
  • Verbesserung der Work-Life-Balance dank interner Praxisorganisation (Vertretung)
  • Erweiterung des Leistungsangebots

Nachteile

Da es sich bei einer Praxisgemeinschaft lediglich um einen organisatorischen Zusammenschluss handelt, jedes Mitglied aber eigenverantwortlich wirtschaftet, besteht zwischen den Kooperationspartnern eine geringere Loyalitätsverpflichtung als etwa bei einer gemeinsam geführten Praxis.
Außerdem darf der Anteil der gemeinsam betreuten Patienten die 20%-Grenze nicht überschreiten; ansonsten ist die KV berechtigt, Honorarrückforderungen zu stellen.

Ist eine Praxisgemeinschaft die passende Praxisform für mich?

Wenn Sie selbstständig sein, aber zugleich Kosten für Räumlichkeiten, medizinische Geräte und Personal reduzieren möchten, kommt für Sie eine Kooperation mit anderen Vertragsärzten in Form einer Praxisgemeinschaft in Frage.

Die wichtigsten Infos für Sie im Überblick

Die Niederlassungsoptionen für Ärzte sind vielfältig. Ob Sie zu einer Gemeinschaftspraxis oder zu einer Einzelpraxis mit oder ohne Kooperationen tendieren, ist letztlich Typsache. In unserer Infografik sehen Sie die wichtigsten Merkmale von Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis, Praxisgemeinschaft noch einmal im Überblick:

Infografik: Die drei Praxisformen Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis und Praxisgemeinschaft im Überblick

Ob Individualist oder Teamworker: Finden Sie bei medestim die Praxis, die zu Ihnen passt!

Bilder: Bild 1: © iStock/ elenaleonova; Bild 2: © iStock/ portra Bild 3: © iStock/ anyaberkut Bild 4: © iStock/ sturti; Bild 5: © iStock/ andresr

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By | 2020-02-27T15:52:17+00:00 September 14th, 2017|Categories: Praxisübernahme|Kommentare deaktiviert für Praxisformen: Einzelpraxis, Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft?