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2 Experten klären auf: Diese Ärzteversicherungen brauchen Sie wirklich

Nach einer Praxisübernahme ergibt sich für Ärzte schnell die Frage nach den passenden Versicherungen. Die Finanzberater Frank Hellweg und Stephan Hinzen erklären Ihnen, welche Ärzteversicherungen es gibt und was sie beinhalten. Erfahren Sie alles über die verschiedenen Leistungen und die Höhe der Prämien.

Ist es sinnvoll, die Versicherungen vom Vorgänger zu übernehmen?

Für einen jungen Arzt ist es durchaus sinnvoll, medizinische Geräte von seinem Vorgänger zu übernehmen. Vorausgesetzt, diese sind auf dem neusten Stand der Technik und weisen keine Verschleißerscheinungen auf. Oftmals lässt sich so eine Menge Geld sparen. Davon, bei der Praxisübernahme auch die Versicherungen vom Vorgänger zu übernehmen, raten Frank Hellweg und Stephan Hinzen von der Wirtschafts- und Finanzberatung Hellweg & Hinzen allerdings ab. Eine Übernahme sei vor allem deshalb nicht wirtschaftlich, da Praxen in der Regel aus Altersgründen abgegeben werden:

„Nur, weil der Vorgänger die Versicherung hatte, ist sie nicht unbedingt gut. Zum Teil handelt es sich um jahrzehntealte Versicherungen, die überhaupt nicht mehr zeitgemäß sind. Gerade in alten Versicherungen fehlen viele Leistungen, die heute selbstverständlich sind.“

Diese Ärzteversicherungen gibt es

Die eigene Praxis ist Ihr Arbeitsplatz und Ihre Existenzgrundlage, in die Sie sehr viel Herzblut investiert haben. Nun gilt es diese Errungenschaft effektiv zu schützen. Jeder Versicherer lockt mit unterschiedlichen Policen und den vermeintlich günstigsten Prämien. In diesem Dschungel den Überblick zu behalten, ist gar nicht so einfach. Damit Sie herausfinden, welche Praxisversicherung wirklich zu Ihnen passt, haben wir die Experten um Rat gebeten.

Praxisinventarversicherung

Die Praxisinventarversicherung sichert die Ausstattung Ihrer Praxis ab. Neben der Büroeinrichtung besitzen Sie als Arzt jede Menge medizinische Geräte. In einem Schadensfall erstattet die Praxisinventarversicherung die gesamte kaufmännische und technische Betriebseinrichtung. Als Schadensfall gelten in der Regel:

  • Einbruch
  • Diebstahl
  • Sturm
  • Feuer
  • Leitungswasser
  • Hagel
  • Vandalismus
  • Elementarschäden (optional)
  • Glasbruch an Innen- und Außenverglasung

Die Prämien berechnen sich aus dem Wert der Praxiseinrichtung. Da jeder Arzt jedoch ein anderes Inventar benötigt, seien die Prämien sehr individuell, erklärt Stephan Hinzen: „Ein Allgemeinmediziner ist bei der Inventarversicherung deutlich günstiger versichert, weil er in der Regel keine allzu teuren Geräte braucht. Die Kosten der Einrichtung belaufen sich hier auf rund 100.000 Euro. Bei einem Zahnarzt liegt das Inventarvolumen schon zwischen 300.000 bis 400.000 Euro. Und ein Radiologe muss sogar mit Einrichtungskosten von zwei bis drei Millionen Euro rechnen. Der Prozentsatz, der an Versicherungsprämie anfällt, ist jedoch für alle Fachrichtungen gleich.“

Eine Praxisinventarversicherung sei analog zu einer klassischen Hausratsversicherung zu sehen, fasst Frank Hellweg zusammen.

Achten Sie bei Vertragsabschluss darauf, dass der Versicherungswert mit der Versicherungssumme übereinstimmt. Wenn der Inventarwert beispielweise bei 100.000 Euro liegt und die Versicherungssumme aber nur 50.000 Euro beträgt, sind Sie unterversichert. In einem Schadensfall müssen Sie dann die restlichen 50.000 Euro aus der eigenen Tasche bezahlen.

„Zusammen mit der Praxisinventarversicherung wird immer auch eine Betriebsunterbrechungsversicherung abgeschlossen“, erklärt Stephan Hinzen.

Betriebsunterbrechungsversicherung

Die Betriebsunterbrechungsversicherung sichert Sie gegen Umsatzeinbußen ab, wenn Sie Ihre Praxis aufgrund von einem der oben aufgeführten Schadensfälle nicht öffnen können. „Wegen eines Leitungswasserschadens kann es vorkommen, dass Ihre Praxis einige Zeit geschlossen bleiben muss. Sie haben aber laufende Kosten durch die Miete und müssen Ihre Mitarbeiter bezahlen. Die Umsatzausfälle werden in so einem Fall von der Versicherung getragen“, erläutert Stephan Hinzen.

Für die Berechnung der Prämie sei der Honorarumsatz der Praxis ausschlaggebend. Versicherungen werden in der Regel geschlossen, bevor und kurz nachdem die Praxis in Betrieb genommen wird. Dementsprechend kann der Inhaber noch keinen oder nur wenig Umsatz vorweisen. In dieser Phase unterstelle man den Umsatz des Vorgängers und sichere diesen ab, weiß Stephan Hinzen:

„Sollte dieser so gering oder zu hoch sein, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass der Übernehmer diesen erwirtschaftet, dann greift man auf Erfahrungs- beziehungsweise Durchschnittswerte zurück. Nach einem Jahr werden diese überprüft und an die tatsächlichen Zahlen angepasst. Dies sollte sowieso im regelmäßigen Umfang erfolgen und gehört deswegen zur laufenden Betreuung.“

Hinzu komme, dass in den meisten Verträgen eine sogenannte Vorsorgeversicherung enthalten ist: „Das heißt, dass bis zu 20 Prozent Umsatzabweichung automatisch bis zur nächsten Hauptfälligkeit mit abgesichert sind – sprich für maximal ein Jahr.“ Dies sei aber nur wichtig bei einer zu geringen Absicherungssumme.

Des Weiteren sei es zu bedenken, dass die Betriebsunterbrechungsversicherung nur gegen Sachgefahren absichert. Eine Praxisausfallversicherung decke zusätzlich persönliche Risiken wie den Krankheitsfall ab.

Gruppe von Ärzten mit Versicherungsvertreter

Die Experten empfehlen eine Krankentagegeldversicherung.

Praxisausfallversicherung

Neben den Sachrisiken sichert Sie die Praxisausfallversicherung auch für den Fall ab, dass Sie selber arbeitsunfähig werden. Sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall. Das fehlende Einkommen wird nun durch die Versicherung kompensiert.

Die Experten weisen auf zwei wichtige Besonderheiten hin. Erstens: „Wenn man die Sachrisiken und die persönlichen Risiken in einer Versicherung zusammenfasst, erreicht man in der Regel eine steuerliche Absetzbarkeit der Beiträge. Die Leistungen sind allerdings komplett steuerpflichtig. Deswegen empfehlen wir eine Betriebsunterbrechungsversicherung gegen Sachrisiken abzuschließen und das Krankheitsrisiko über eine Krankentagegeldversicherung abzusichern. Der Beitrag ist dabei nicht steuerlich absetzbar, dafür sind die Leistungen aber steuerfrei.“

Zweitens sei es nachteilig, dass die Praxisausfallversicherung nach einem Schadensfall gekündigt werden darf. Eine Personenversicherung wie die Krankentagegeldversicherung könne im Schadensfall nicht gekündigt werden.

Elektronikversicherung

Als niedergelassener Arzt haben Sie zusätzlich die Option der Elektronikversicherung. Büro-, Informations- und Kommunikationsgeräte lassen sich darin genauso absichern wie elektronische und elektrotechnische Anlagen. Die Elektronikversicherung deckt die Kosten durch plötzliche und unvorhergesehene Beschädigung oder Zerstörung. Dies umfasst:

  • Wasserschäden
  • Brandschäden
  • Bedienungsfehler
  • Unachtsamkeit
  • Vandalismus
  • Über- und Unterspannungsschäden
  • Diebstahl
  • Kurzschluss

Frank Hellweg empfiehlt eine Elektronikversicherung für alle Ärzte, die über umfangreiches elektronisches Inventar verfügen: „Wenn man beispielsweise ein EKG- und Ultraschallgerät sowie PCs im Wert von mehreren 10.000 Euro hat, ist ein Abschluss sinnvoll. Diese Geräte sind immer der Gefahr der Fehlbedienung oder einfach Schusseligkeit ausgesetzt. Dadurch können schnell Schäden von mehreren Tausend Euro entstehen. Denn die normale Inventarversicherung greift nicht, wenn Mitarbeiter einen Fehler machen.“

Ob Sie die Geräte, die Sie über die Elektronikversicherung abgesichert haben, aus der Inventarversicherung herausrechen können, müsse mit dem Versicherer individuell geklärt werden.

„Im Gegensatz zur Inventarversicherung sichert die Elektronikversicherung auch Schmorschäden ab. Deswegen ist sie auch deutlich teurer als eine Inventarversicherung“, ergänzt Stephan Hinzen.

Berufshaftpflichtversicherung

Als Arzt übernehmen Sie ein hohes Maß an Verantwortung und sind gleichzeitig großen Risiken ausgesetzt. Die Berufshaftpflicht schützt Sie vor den finanziellen Folgen eines Behandlungsfehlers und ist gesetzlich vorgeschrieben. „Ohne Berufshaftpflicht darf man gar nicht praktizieren. Bei den Ärztekammern muss man außerdem einen Versicherungsnachweis vorlegen“, erklärt Stephan Hinzen.

Die Höhe der Prämie sei von der jeweiligen Fachrichtung abhängig und werde durch Risikofragebögen individuell geprüft. Deswegen könne man hier nur schwer Pauschalen nennen. „Gerade bei Chirurgen gibt es große Unterschiede. Je nachdem, wie oft bestimmte Eingriffe stattfinden und wie risikobehaftet diese sind, verändert sich die Prämie“, erläutert Frank Hellweg.

Stephan Hinzen fügt hinzu: „Bei einem Allgemeinmediziner ist die Prämie deutlich günstiger und liegt in einer Größenordnung von 400 Euro im Jahr. Am anderen Ende des Spektrums liegt ein Gynäkologe, der Geburtshilfe anbietet. Dieser ist fast nicht versicherbar. Es gibt nur zwei Versicherer, die eine Berufshaftplicht für Gynäkologen anbieten. Die Prämie beträgt dabei 25.000 bis 30.000 Euro.“

Für einen Zahnarzt seien 600 bis 700 Euro durchschnittlich, für einen Augenarzt rund 1500 Euro.

Die wichtigsten Ärzteversicherungen im Überblick

Versicherungen im Überblick

Wir bedanken uns bei den Experten Frank Hellweg und Stephan Hinzen für das aufschlussreiche Interview.

Die Experten

Frank Hellweg
Nach Tätigkeiten in der Wissenschaft, in der IT-Branche und in der wirtschaftlichen Beratung von Privatkunden, trat Frank Hellweg der Bürogemeinschaft von Krämer Petersmann & Collegen in Münster bei und ist seit 2009 zusammen mit Stephan Hinzen als Versicherungsmakler und Anlageberater tätig. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Anlage-, Finanzierungs-, Vorsorge- und Absicherungsberatung von Freiberuflern, Selbständigen sowie Angestellten der human- und zahnmedizinischen Berufe.Stephan Hinzen
Nach seiner leitenden Position bei der Deutschen Bank AG wechselte Stephan Hinzen in die Beratung von Zahnärzten, Ärzten und Freiberuflern sowie mittelständischen Unternehmen. 2008 folgte der Beitritt in die Bürogemeinschaft von Krämer Petersmann & Collegen. Seit 2009 ist er zusammen mit Frank Hellweg an eigener Wirkungsstätte tätig.

Wir hoffen, dass wir Ihnen einen hilfreichen Überblick über die verschiedenen Ärzteversicherungen geben konnten und wünschen Ihnen einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit. Nicht nur, wenn Sie weitere Fragen haben, sollten Sie bei einem derart komplexen Thema in Erwägung ziehen, sich persönlich beraten zu lassen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen bieten häufig eine solche Beratung zum Thema Praxisführung an. Eine kostenlose Erstberatung bekommen Sie außerdem bei Hellweg & Hinzen.

Bilder: Titelbild: ©istock/andresr, Bild 1: ©istock/ skynesher

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By | 2018-04-11T13:30:22+00:00 September 18th, 2017|Categories: Finanzierung & Versicherung|Kommentare deaktiviert für 2 Experten klären auf: Diese Ärzteversicherungen brauchen Sie wirklich